Bricciusbote

DER BRICCIUSBOTE ist unser Kirchenblättchen.  Hier erfahren Sie alle Termine und manche andere interessante Information über unser Gemeindeleben.

Mai 2022 Juni 2022

 

 

Auf Wunsch können wir Ihnen den aktuellen Bricciusbote als PDF-Dokument zusenden. Teilen Sie uns bitte per   mit,  ob Sie den Bricciusbote regelmäßig auf diesem Weg erhalten möchten.

 

 

 

Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohlergeht. Monatsspruch
Mai
3. Johannes 2
Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod. Monatsspruch
Juni
Hohelied der Liebe 8, 6

Der Herr ist auferstanden!

„Der Herr ist auferstanden!“ Der Osterruf klingt zu uns aus einer vergangenen Zeit. Einer Zeit, als es keine Moderne gab. Und damit auch nicht all den Wohlstand, den wir so genießen. Der Osterruf kommt zu uns aus einer anderen Zeit. Ein römisches Weltreich mit einem Caesar, einem Kaiser, der beanspruchte Gott zu sein. Nicht verborgen in seinem Herzen, wie es Du oder ich manchmal sein wollen. Nein, der römische Kaiser wollte als Gott verehrt werden. Das würde der russische Herrscher, der jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, sicher so nicht sagen. Dazwischen liegen ja auch 2000 Jahre. Wir sind viel weiter. Wir sind weiter? Unsinn. Wir sind nicht weiter. Vielleicht haben wir mehr als unsere Ahnen. Im Sein sind wir sicher nicht weitergekommen. Wir sind: Menschen. Ach, würden wir das doch sehen und erkennen, dass wir als Menschen ein Teil dieser Welt, ein Teil der Natur sind, die wir nach und nach zu Grunde richten. Merken Sie es? So richtig Ostern will es gerade noch nicht werden.

Wenn Sie diesen Bricciusboten in die Hände bekommen, wird es auch noch nicht Ostern sein. Mitten in der Passionszeit, noch vor Karfreitag. Der Tiefpunkt steht also noch bevor. Es hat was lustig, folkloristisches im Kirchenjahr immer so zu tun, als sei das gerade echt. Klar, dahinter steht eine pädagogische Absicht: das Kirchenjahr bildet das Leben Jesu und das Leben der Kirche ab. Aber es ist eben auch ein bisschen Quatsch. Ich hoffe, Sie verzeihen. Jesus ist vor 2000 Jahren geboren, Gott kommt in die Welt und ward Fleisch. Jesus lehrt, geht, findet Menschen, damals in Palästina. Er kommt kurz vor Passa und nach drei Jahren Wirksamkeit nach Jerusalem, er wird angezeigt, verraten, verurteilt und hingerichtet. Er starb am Kreuz. Der Tiefpunkt. Die dunkelste Stunde. Sie ist vorbei. Sie ist Geschichte. Karfreitag würde es nicht geben ohne den Ostermorgen.

Aber: unsere dunklen Stunden sind nicht vorbei. Sie sind Gegenwart: Wenn ein Mensch stirbt, den ich liebe. Wenn ich selbst auf dem Weg zum Tod bin. Wenn ich mir die Nachrichten dieser Tage anschaue. Wenn ich an die Menschen denke, die in der Ukraine im Kugel-, Bomben- und Raketenhagel ums Leben kommen. Dunkle Stunden. Woher kommt mir Hilfe? Woher kommt Trost? Es gibt Gottes Trost nicht ohne die Erkenntnis, dass der Mensch die Menschlichkeit kreuzigt. Der Weg zum Licht geht durchs Dunkel. Durchs Dunkel unserer Tage und ungezählter dunkler Momente in der Geschichte der Menschheit. Ich kann all das im Kreuz erkennen. Ein Symbol menschlicher Gewalt.

Durch Ostern wurde es zum Symbol des Heils. Das was war, wird dann doch Gegenwart. Denn als Christ komme er vom Ostermorgen, der dem Kreuz erst seinen Sinn gibt. Am Ostermorgen begann der Glaube, dass Gott den Tod besiegt hat. Von Ostern herkommend, begegnen wir dem Dunkel der Geschichte, dem eigenen Dunkel und dem Dunkel unserer Tage. Können wir glauben, dass dieses Licht in uns ist und uns trägt? Vielleicht ist Glauben nicht alles. Mein Glaube unterliegt Schwankungen. Menschlich ist das. Aber: das, woran ich glaube unterliegt diesen Schwankungen nicht. Es bleibt der Ruf des Ostermorgens, er hallt durch die Zeiten und wird durch die Münder der Gläubigen wiederholt: Der Herr ist auferstanden! Das Leben Gottes siegt über den Tod des Menschen. Meine Hoffnung ist, dass dieser Ruf laut und lauter wird – nicht nur zu Ostern, sondern getragen von Freude selbst im Leide ein ganzes Leben lang: Der Herr ist auferstanden!

Martin Schmelzer, Pfarrer

Jesus Christus spricht: 
Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. 

Jahreslosung 2022
Johannes 6, 37

Liebe Gemeinde,

beim eintippen des Wortes Jahreslosung komme ich bis Jahres und stoppe einen Moment – mein Suchvorschlag wird sofort vervollständigt – mit dem Wort Jahreshoroskop. Okay, denke ich, klar. Hab ich mir auch schon mal angeschaut. Hat ja auch Tradition, gerade um den Jahreswechsel fragt sich so manch einer, wie das neue Jahr wohl wird. Ich auch. Und dann kann ich lesen, was bei Zwilling steht. Hm. Also ab Mai dann wird’s gut. Könnte zur nächsten Welle, der groß angekündigten Omikronwelle passen. Die haben wir dann hinter uns. Vielleicht. Wenn sie kommt. Ein bisschen mulmig ist mir ja schon. Als Christ ein Horoskop zu lesen. Aber in diesen Zeiten nehme ich, was ich kriegen kann. Klopfe an und hoffe, dass mir aufgetan wird. Öffne mich. Hat das nicht auch Tradition? Die Sternendeuter, die Weisen aus dem Morgenland? Prüft alles und behaltet das Gute. Ist es gut eine Zukunft zu schauen, die noch gar nicht da sein kann? Fragen über Fragen. Ich komme ins Grübeln. Und dann – ach so: ich suche doch nach der Jahreslosung! Mensch, so schnell wieder abgelenkt!

Ich finde „Jahreslosung.eu“ und klar, ich kenne sie schon. Da wird eine Einladung ausgesprochen:

Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. Johannes 6,37 (E)

Ich lese: „Das Gefühl, vor einer Tür zu stehen und nicht zu wissen, wer einen wie empfängt und was einen dahinter erwartet, kennen wir alle. Jede Tür kann andere Gefühle in uns auslösen. Stehen wir vor dem Amtszimmer einer Behörde, der Haustür von Freunden, der Sprechzimmertür einer Arztpraxis oder stürmen gleich unsere Kinder oder Enkel herein? Unzählige „Türmomente“ erleben wir im Laufe unseres Lebens – hinter und vor Türen. Wunderschöne und unangenehme. Türen können trennen und verbinden. Meist hängt es von beiden Seiten ab – vor und hinter der Tür.
Auch Jesus und die Menschen um ihn herum kennen „Türmomente“. An solche Erfahrungen knüpft Jesus an, wenn er zu ihnen sagt: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“
Gute Worte, ein schönes Bild, das die da auf der Webseite verwenden. In jenseitig geprägten Zeiten – die gab es ja auch und zwar nicht zu knapp, war es die Himmelstür und dann der Weg des Menschen zum Herrn. Mensch, Du wirst sterben und dann kommst du in den Himmel und stehst vor deinem Richter. Die Aussage: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen – die wurde dabei in vielen Jahrhunderten etwas beiseite gelegt. Hürden, Bedingungen, Zwischenstationen wie das Fegefeuer wurden geschaffen. Na ja, wer es braucht.
Wohin? Wohin gehen wir im Jahr, das vor uns liegt? Wer wird uns begleiten – mich, in meinen Beziehungen, in der Familie, uns als Gemeinde, als Kirche, als Gesellschaft, uns als Welt? Es braucht mehr denn je gute „Türmomente“. Denn das letzte Jahr, ja auch vieles in meinem Leben lehrt mich, dass es immer wieder Enttäuschung gibt und geben wird. Momente, in denen ich nicht nur einmal vor verschlossener Tür stehe. Das tut weh. Im Advent und zu Weihnachten sprechen und singen wir, so möglich und gewollt, von einer sehr wichtigsten Tür: der Herzenstür. „Komm, oh mein Heiland Jesu Christ, meins Herzenstür dir offen ist.“ EG 1.
Liebe Gemeinde – ich erlebe oft, wie Herzenstüren verschlossen werden. Wie viel Kraft es braucht, bis jemand aufmacht. Manchmal stehe ich davor und klopfe. Arbeite. Schaue zum Fenster rein. Suche. Aber die Tür bleibt verschlossen. Bei meinem Gegenüber. Und auch bei mir. Da wird geklopft und ich schaue verstohlen hinter der Gardine. Die Pandemie mit dem Abstandsgebot tut da das ihre. Manchmal komme ich da an meine Grenzen. Ich weiß, dass ich nicht allein leben kann, es braucht den Austausch. Es braucht die Begegnung. Wenn dies nicht da ist, fühle ich mich einsam. Es gibt da so einen Strudel in den ich mich da begebe, mehr oder weniger freiwillig. Ein Strudel aus Enttäuschung, Selbstmitleid, ein Strudel der mich in die Dunkelheit führt. Gar nicht so einfach, da wieder raus zu kommen. Manchmal war dann der Leidensdruck zu groß und es kam ein Hilferuf aus der Tiefe: Lieber Gott, hilf mir.

Die Begegnung mit Gott, mit Jesus, hier in diesem Leben. Auf welche Weise geschieht sie? Oft wird sie aus Leid geboren. Aus Verlust. Aus Haltlosigkeit. Der Erkenntnis, dass es nicht weiter geht. Oft sind mir auch Menschen begegnet, denen das in die Wiege gelegt scheint. Da finde ich die offene Herzenstür. Da ist auf einmal Beziehung möglich. Gemeinschaft. Nicht frei von Enttäuschung. Und knall, die Tür ist wieder zu.

„Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ Ein neues Jahr – ich würde mich freuen, wenn es ein Jahr des Zueinanderkommens wird. Ein Jahr der Begegnung. Ich habe Vorbehalte. Zumal mein Horoskop mir das erst ab Mai sagt. Ähem… Auch darin liegt eine Möglichkeit zu zu machen – darin, wenn ich mich von anderen definieren, bestimmen lasse. Ich sehne mich nach Begegnung – dabei bleibe ich – und dann hoffe ich auf die Begegnung mit Jesus. Nicht erst in jener Welt, sondern schon hier. Heute. Im Gottesdienst. Und ich glaube, dass mich diese Begegnung verändern wird, uns, die wir uns auf den Weg machen. Ich glaube, dass ich erkenne, in wie vielen Momenten ich im vergangenen Jahr zugemacht habe und wie sehr es sich lohnt aufzumachen – wie Jesus. Nicht erst ab Mai, sondern ab jetzt – vom ersten Tag des neuen Jahres an.

Amen

Martin Schmelzer, Pfarrer